Unsere Beobachtungsgabe täuscht uns nicht, wenn so manches Mal behauptet wird, dass manche Adelshäuser noch die „berühmte Leiche“ im Keller haben. Dabei ist es unerheblich, ob diese uns physisch begegnet. Allein der Umstand, „Da war doch noch was?“ lässt aufhorchen und genauer hinschauen. So auch bei der weitläufigen Familie derer zu Froschhumpen, einem Adelsgeschlecht, dessen Geschichte vor hunderten von Jahren begann…

 

Frosch + Humpen = Kleiner Froschhumpen!

Es war einmal – wir wissen, so beginnen Märchen, aber unseres ist keines und reicht vom Heute, dem Jahr 2017, bis ins berühmte Mittelalter. Wir schreiben das Jahr 1080. Damals war es gang und gäbe, dass die Welt vor lauter Übermut aus den Fugen geriet. Es wurde gefeiert, was das Zeug hielt und der Minnesang blühte, so dass manche amouröse Abenteuer unerwartete Folgen hatten. Eines Tages machte sich nun der Ritter Wolfgang-Heribert zu Frosch auf den Weg in die Schlacht. Eine Turmhügelburg in der Nähe der Löwenstadt an der Wakenitz hatte es ihm angetan, und er war fest entschlossen, diese einzunehmen. Er ging jedoch nicht, ohne dass er noch einmal das Keuschheitsschloss seiner Gemahlin, Josefine-Arabella zu Frosch, persönlich inspizierte. Er wusste natürlich nicht, dass Josefine-Arabella dieses schon mit einem Mittelalter-Klebstoff von transparenter Qualität fixiert hatte. Da der Ritter Wolfgang-Heribert zu Frosch schon etwas betagt war, suchte er erst sein Monokel und dann den großen Schlüssel. Es verwunderte ihn allerdings, dass sein Adjutant, der Ritter Maximilian zu Humpen, diesen sehr schnell fand und dem ahnungslosen Ritter Wolfgang-Heribert zu Frosch übergab. Was den Ritter noch in Erstaunen versetzte, war die Tatsache, dass das Keuschheitsschloss, entgegen zu ihm, überhaupt keine Ansätze von Rost zeigte, nein, es ließ sich ohne Probleme auf- und zu- und auf- und zuschließen. Er tat es mit Wonne, um anschließend in die große Schlacht zu ziehen…

 

Bye, bye Wolfgang-Heribert!

Die geflossenen Tränen von Josefine-Arabella wichen jetzt dem Wunsch, das Leben in vollen Zügen zu genießen. Sie ließ die Diener antanzen, um das größte Fest auf der Burg zu Frosch zu organisieren. Enten, Gänse und Rebhühner mussten sich auf Kochtopf und Backofen vorbereiten, und auch der rote Wein derer zu Frosch sollte in Strömen fließen. Der große Saal wurde ausstaffiert, die besten Schneider aus aller Welt kamen, um Gattin Josefine-Arabella zu Frosch in den farbenprächtigsten Seiden-Satin zu hüllen, und auch die Schmuckschatulle erfuhr eine Rund-um-Erneuerung. Kurzum, die ganze Burg derer zu Frosch glich einem aufgescheuchten Hühnerhof, der zu Feiern beabsichtigte. Josefine-Arabella war froh, endlich einmal das Regiment zu führen, und freute sich auf ein rauschendes Fest in den eisigen Burgmauern. Auch Ritter Maximilian zu Humpen hatte seinen Aufgabenbereich genau zugewiesen bekommen – er musste das Schloss ölen, ein Schelm, wer Böses dabei denkt, oder?

 

Endlich Wochenende!

Es war Samstag, so gegen 20 Uhr, als der Burgzeremonienmeister das entscheidende Wort sagte. Auf „Alles Walzer“ hatte besonders Josefine-Arabella zu Frosch gewartet. Ihr hinter einem schwarzen aufregenden Schleier verstecktes Gesicht, brannte vor Freude und Eifer, denn gleich würde sie mit Ritter Maximilian zu Humpen eine flotte Sohle auf das Parkett legen. Dabei würden sich ihre Hände nur ganz zaghaft streifen, um so den Zauber des Augenblicks zu erleben, denn sie hatte noch viel vor an diesem Wochenende und durfte auch dem Rotwein nicht zu sehr zusprechen. Was im Übrigen aber auch für Ritter Maximilian galt, denn er sollte ihr noch einen Wunsch erfüllen…

 

Josefine-Arabella übt sich in Demut!

Die Jahre gingen ins Land, ab und an schickte Ritter Wolfgang-Heribert zu Frosch eine Brieftaube zu seiner Gemahlin, die sich gut an die neue Form der „Zweisamkeit“ gewöhnt hatte, denn ein strammer Junge lag nicht erst seit gestern in der ritterlichen Wiege. Alles verlief easy und glücklich bis eine Schreckensnachricht das ritterliche Gut erreichte. Ritter Wolfgang-Heribert zu Frosch hatte ritterlich das Zeitliche gesegnet. Nun, nicht dass Josefine-Arabella froh darüber gewesen wäre, aber die Erleichterung stand ihr schon ein bisschen ins Gesicht geschrieben, brauchte sie doch nicht um Erklärungen ringen, wenn der Gemahl siegreich aus dem Feld gekommen wäre. Natürlich hätte sie es ihm gegönnt, aber diese Situation machte doch vieles einfacher, oder? Auch hier ein Schelm, der wirklich Böses denkt!

 

Die neue Generation derer zu Froschhumpen wächst heran!

Auch über die schlimmsten Ereignisse im Leben senkt sich einmal der Schleier des Vergessens. Wie oft Josefine-Arabella noch in ihre ritterlichen Kissen geweint und unzählige Schokoladen-Orgien gefeiert hat, ist nicht überliefert, aber von ihrer Lebenslust in den nächsten Jahren wird noch heute gerne erzählt. Klein-Maximilian I. wuchs zu einem pausbäckigen Jungen heran, der sich in den nächsten Jahren auch noch über eine Schwester freuen durfte. Was heißt „freuen“, die schwesterliche Liebe entwickelte ich zunehmend zu einer Zweckgemeinschaft, denn auch Klein-Maximilian I. hatte es faustdick hinter den Ohren. Ein Glück, dass Josefine-Arabella mit den Jahren immer dickere Brillengläser brauchte und Ritter Maximilian schwerhörig war, denn sonst hätten sie ihren Ausbund an Fröhlichkeit wahrscheinlich schwer ertragen. Aber wie sagt Man(n) oder auch Frau so schön, für alle Probleme gibt es eine praktikable Lösung…

 

Familie derer zu Froschhumpen, eine schrecklich nette Familie!

Mit der schwesterlichen Liebe zu Sigrid-Luise war es also nicht weit her, obwohl sie Klein-Maximilian I. oft die ritterlichen Kohlen aus dem sprichwörtlichen Feuer holte. Auch Sigrid-Luise erkannte bald, dass sie als „Prellböckin“ dienen sollte und wurde über alle Maßen kratzbürstig. Dieses Verhalten verschlimmerte sich noch, als auch Pier-Luigi die ritterliche Wiege bevölkerte. Dazu müssen die Geschichtsschreiber wissen, dass Ritter Salvatore aus Galizien jedes Jahr die Sommerfrische auf der Burg zu Frosch verbrachte. Josefine-Arabella freute sich besonders über diesen italienischen Macho, denn schließlich hatte sie nur etwas mit den Augen, kein Grund für Traurigkeit also. Apropos Traurigkeit, nein, ein Kind dieser war Josefine Arabella wirklich nicht. Als auch sie im Jahr 1138 das Zeitliche segnete, weinten sage und schreibe SEX-Kinder, sechs war übrigens ihre Lieblingszahl, vierundzwanzig Enkel und achtundvierzig Urenkel um sie. Aber auch die schlimmste Trauer weicht wieder der Fröhlichkeit, und auch die Erstgeborenen Maximilian I. und Sigrid-Luise gaben sich viel Mühe, konnten aber ihren geschwisterlichen Zwist nicht beilegen. Dieses aber ist eine andere Geschichte, aus der eine Familienfehde zwischen gierigen Bankern und soliden Kaufmannsleuten bis in die heutigen Tage erwachsen ist…